Ein Jahr am anderen Ende der Welt

Ein Jahr am anderen Ende der Welt

Mit Prophezeiungen ist das immer so eine Sache. Wenn vor einigen Jahren jemand David Kolkmann  gesagt hätte, dass er am Ende der Porsche GT 3 Cup Challenge USA 2018 – noch dazu in seiner Premierensaison – auf Platz drei landen würde, wäre dem 21-jährigen Piloten wohl nur ein müdes Lächeln über das Gesicht gehuscht.

Mittlerweile hat er sich im Motorsport einen Namen gemacht, fährt Siege und Podestplätze nach Hause. Abseits der Strecke wirkt er souverän, überzeugt mit seinem Auftreten und seinem Können. Eng verbunden ist sein sportlicher Aufstieg mit dem Namen Project 1. Sich nach der Formel-Karriere ganz bewusst für das Team von Hans Bernd Kamps zu entscheiden, war aus heutiger Sicht goldrichtig. Auch der Sprung über den Atlantik Anfang 2018 zum Rennstall Park Place Motorsports, mit dem die Talenteschmiede aus Lohne eng verbunden ist, erwies sich als gute Wahl.

In vielerlei Hinsicht stellte die Saison 2018 David Kolkmann vor neue Herausforderungen. Ferner Kontinent, unbekannte Strecken und zum Teil neues Material. „Das Cup-Auto kannte ich bereits. Aber es war schon ein Unterschied auf Yokohama-Reifen unterwegs zu sein und nicht auf mehr Michelin“, erzählt er. Die Suche nach einem erfolgreichen Setup und dem damit verbundenen neuen Fahrgefühl begann.

Für den Porsche-Piloten aus Sendenhorst aber kein allzu großes Problem. Allerdings wurde seine Standfestigkeit zum Saisonauftakt in Sebring gleich auf eine harte Probe gestellt. „Im ersten Lauf bin ich bereits auf Podiumskurs gewesen, ehe ich eine Runde vor Schluss mit Motorschaden ausgefallen bin. Im zweiten Rennen musste ich mich ganz hinten anstellen, fuhr zwischenzeitlich aber bis auf Platz sieben vor. Am Ende wieder ein Ausfall und null Punkte an diesen beiden Tagen“, erinnert sich David Kolkmann.

Doch dieser offensichtliche Fehlstart hat ihn nicht umgehauen. Ganz im Gegenteil: Deutlich gestärkt kam er für die nächsten beiden Rennen auf dem Barber Motorsports Parkway zurück auf die Strecke und drückte der Konkurrenz mit einem zweiten und einem ersten Platz seinen Stempel auf.

Und es kam noch besser: Diese Erfolge waren beileibe keine Eintagsfliegen. Es folgte ein weiterer Sieg, diverse Podestplätze und in jedem Rennen jede Menge Punkte. Mit der im Porsche Carrera Cup gesammelten Erfahrung steuerte er seinen Boliden selbst in kritischen Situationen sicher ins Ziel. Ausfälle nach dem ersten Rennwochenende: Fehlanzeige. Ein sicheres Indiz dafür, dass die zwei Jahre bei Project 1 gut investiert waren.

Nach seiner ersten Saison in Amerika kann sich David Kolkmann nun eine ganz eigene Meinung zum Motorsport diesseits und jenseits des Atlantiks bilden. „Hier erscheint einem alles eine Nummer größer. Das Fahrerlager ist zugänglicher und die Boxenmauer ist längst nicht so gesichert wie in Europa. Die Auslaufzonen sind weniger komfortabel. Gefühlt wirkt es einfach etwas gefährlicher. Aber es macht richtig Spaß“, so die Eindrücke des Newcomers.

Bei Park Place Motorsports fühlte er sich pudelwohl. Der Deutsche erhielt die Unterstützung, die er sich gewünscht hatte. Die Leistungen sprechen für sich. Wohl auch ein Grund, dass ihm die Umstellung sehr leicht gefallen ist und er sich trotz 5000 Meilen von zu Hause weg schnell heimisch fühlte.